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Der Sommer 2016

     

    Kaum wird es abends wieder dunkler, blickt man - meistens wehmütig - auf den nun vergangenen Sommer zurück und lässt die Erlebnisse jenseits des Alltags und des sonst so Üblichen nochmal vor dem geistigen Auge an sich vorbeiziehen. Ja, es war der erste Sommer in Berlin - und trotzdessen dominierte der Alltag. Ich werde wohl einfach zu alt für all die fluppigen Angebote dieser pulsierenden Großstadt. ;-) Klar, das eine oder andere Mal war man dann schon in einem der vielen Parks grillen oder in einem der vielen Freibäder oder Seen schwimmen, aber sonst waren die Werktage bestimmt vom Büro und die Wochenenden von den Dingen im Haushalt, die unter der Woche liegengeblieben sind - eigentlich wie immer die letzten Jahre - nur unterbrochen von gelegentlichen Ausflügen und natürlich dem Sommerurlaub.

    Brügge
    Diese Ausflüge und der Urlaub durften natürlich auch dieses Jahr nicht fehlen - auch wenn sie ein wenig anders ausgefallen sind als die vergangenen Jahre. In diesem Sommer gab es nämlich keinen riesigen Road-Trip durch Norwegen, Island oder Schottland - nein, meine Freundin und ich haben uns zweimal jeweils eine Woche in einem schmucken Ferienhaus einquartiert und dort entweder gefaulenzt oder die Umgebung erkundet. Die erste Woche - bereits im August - führte uns in die Gegend von Paris, genauer südwestlich der Stadt, irgendwo auf dem Land zwischen Versailles und Chartres. Zusammen mit einigen Freunden ging es in ein riesiges Haus mit Pool und Sauna und das durchgehend mit Sonnenschein. Die Verwandschaft war angesichts der allgemeinen Sicherheitslage wegen der Anschläge zwar etwas beunruhigt, aber davon haben wir uns mal nicht beeindrucken lassen. Wenn man sich von den - zugegeben immer zahlreicher werdenden - Irren vom Leben abhalten lässt, dann können wir es auch gleich damit lassen. Quasi zum Trotz war die Zwischenstation die überaus schmucke belgische Stadt Brügge, die wir zwar sehen, aber im Gegensatz zum bekannten Film hier nicht auch noch sterben wollten. ;-) Eindrücke von hier finden sich in der Bildergalerie...

    Rambouillet
    Aber zurück zu Frankreich: Wenn wir uns mal nicht die Bäuche vollgeschlagen haben und die Annehmlichkeiten des Ferienhauses genossen haben, ging es auf kleinere Spaziergänge und Ausflüge. Derer gab es gerade mal zwei - ein kleiner ins Nachbarstädtchen Rambouillet und ein großer nach Versailles um den dortigen Protzbunker mit angeschlossenen Gärten zu bewundern. Eigentlich hätte es die Kombination - natürlich in deutlich kleinerem Maßstab - auch in Rambouillet (Bildergalerie) gegeben. Allerdings war das Schloss dort wegen Renovierungsarbeiten komplett verpackt, weswegen wir "nur" die Gärten genießen konnten. Wirklich schön hier und kaum Leute - hier würde sich auch mal ein kleiner Umweg lohnen, wenn man in der Gegend ist.

    Versailles
    Nach Versailles (Bildergalerie) hingegen scheint es wohl die halbe Welt zu ziehen - zumindest der Teil, der auf Zentraleuropa-Urlaub ist. Hierbei sind die horrenden Eintrittspreise und Parkgebühren offensichtlich auch keine Abschreckung. Für zwei Personen zahlt man lockere 50 Euro Eintritt und am Ende nochmal die Hälfte davon zusätzlich an Parkgebühren, selbst wenn man nur ein paar Stunden hier war. Teurer habe ich bislang höchstens an Flughäfen geparkt... Sind die Preise berechtigt? Ja und nein. Zum einen ist es schon beeindruckend, was die französischen Könige hier haben bauen lassen - das muss man einmal im Leben gesehen haben. Auf der anderen Seite ist das Interieur des Schlosses auch nichts Besonderes - da habe ich zum Beispiel in Spanien schon Beeindruckenderes gesehen. Einzig der Spiegelsaal beeindruckt vor allem wegen seiner wechselvollen Geschichte sowohl für Frankreich als auch Deutschland. Fast interessanter sind die Gärten und vor allem das angeschlossene "Englische Dorf", welches für Marie Antoinette eigens errichtet wurde. Hier ist es auch nicht ganz so überlaufen wie im Rest der Anlage und man kann die schönen Gebäude und die Gärten sowie den Bauernhof in der Umgebung genießen.

    Breslau
    Nur wenige Wochen später ging es dann ziemlich exakt in die andere Himmelsrichtung - nach Nordostpolen, genauer in die Gegend Ermland/Masuren. Von Berlin aus ist diese wunderschöne Gegend zum Glück in gut 7 Stunden zu erreichen - hier war also keine Zwischenstation nötig. Allerdings war hier nicht wie sonst 90% bequemes Dahingleiten auf Autobahnen angesagt - nein, gut die Hälfte der Strecke ging über herkömmliche Landstraßen. Dementsprechend war die Anreise deutlich anstrengender als gedacht - die Strecken erfordern einfach eine erhöhte Aufmerksamkeit. Über die vielen Holzkreuze am Straßenrand habe ich mich allerdings nur am Anfang gewundert. Viele Einheimische scheinen einen doch sehr offensiven Fahrstil zu bevorzugen, um schneller an ihr Ziel zu gelangen. Da wird trotz schnell näherkommendem Gegenverkehr überholt als ob es kein Morgen gäbe. Nun ja, passiert ist nirgendwo etwas - zum Glück! Von den irrwitzigen Fahrmanövern sollte man sich aber nicht nachhaltig beeindrucken lassen. Wir haben uns wie schon auf dem Ausflug nach Breslau im Juli (Bildergalerie) sehr willkommen gefühlt und die Landschaft überaus genossen.

    See in der Nähe des Ferienhauses
    Die Hälfte der Zeit haben wir uns einfach nur entspannt und die absolute Ruhe der Ferienhaussiedlung mitten im Wald genossen. Einziger Nachteil waren vielleicht die überaus zahlreich vorhandenen Mücken, die dazu überaus stechlustig sind. Zu allem Überfluss hatten wir zwar Sonnencreme, aber kein Anti-Mücken-Mittel dabei. Zum Glück ist die größte Stadt der Gegend - Olsztyn, früher Allenstein - nur gut 15 Minuten mit dem Auto entfernt. Hier war schnell ein passendes Mittelchen eingekauft. So waren wir auf jeden Fall für einige Spaziergänge in der näheren Umgebung vorbereitet und konnten die Wälder und Seen fast ungestört auf uns wirken lassen (Bildergalerie).

    Führerbunker
    Jedoch kamen auch die Ausflüge nicht zu kurz. Gleich der erste führte uns in Richtung eines der masurischen Seen, genauer zum Jezioro Mamry. Auf dem Weg dorthin lag ein doch recht berühmt-berüchtigter Ort - die Wolfsschanze (Bildergalerie). Hitler hatte sich dort im Schutz eines dichten Waldes mitten im damaligen Ostpreußen eine riesige Bunkeranlage bauen lassen, wo er speziell nach dem Einmarsch in der Sowjetunion wohl deutlich mehr Zeit verbracht hat als in Berlin. Gut, ich kann die Vorbehalte gegenüber Berlin durchaus nachvollziehen, aber wirklich schöner sind diese Stahlbetonbauten auch nicht. Nun, es ging wohl auch eher um Funktionalität - schließlich gab es einen Krieg zu führen... Heute ist vom einstigen Machtzentrum des nationalsozialistischen Deutschlands nicht mehr viel übrig. Den Untergang vor Augen wurden die Anlagen von der Wehrmacht gesprengt und bis heute hat sich drumherum die Natur wieder viel davon zurückgeholt, was man ihr einst genommen hatte. Interessanterweise ist der Eintritt äußerst günstig - für zwei Personen inklusive Parken waren knapp 10 Euro zu löhnen. Ich würde mal mutmaßen, dass man hier deutlich mehr draus machen könnte, wenn man wollte - natürlich auch mit höheren Preisen. Mit der Präsentation der verschiedenen Bunker könnte man allerdings sofort anfangen. So gab es nur eine Übersichtstafel am Eingang und entsprechende Zahlen ohne weitere Infos an den einzelnen Bauwerken. Deswegen musste ich immer wieder auf der Kamera schauen, welche Nummer zu welchem Bunker und damit zu welchem Nazi gehörte. Nur eins an der Stelle: Der Führerbunker wurde ironischerweise mit der 13 markiert. Gut gemacht war das Denkmal zum fehlgeschlagenen Attentat der Gruppe um Graf Stauffenberg in Form eines aufgeschlagenen Buches mit zerstörtem Einband.

    Jezioro Mamry
    Nach zwei Stunden haben wir diesen unwirtlichen Ort aber wieder verlassen, wir wollten den Jezioro Mamry (Bildergalerie) umrunden. Gut, mit dem Auto und nicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß, aber schön war es trotzdem. :-D An einer Stelle - ganz am nördlichsten Zipfel des Sees - gab es sogar einen kleinen Parkplatz mit einem traumhaften Zugang, der zum Schwimmen oder einfach nur zum Träumen eingeladen hat. An diesem und noch einer weiteren Stelle haben wir dann auch längere Pausen eingelegt. So langsam begannen wir zu verstehen, warum diese Ecke der Sehnsuchtsort vieler Menschen ist.

    Olsztyn
    Allerdings haben wir nicht nur die Masurische Seenplatte unsicher gemacht - die Nachbarstadt Olsztyn - stand auch noch auf dem Plan. Die recht hässlichen und von Industrie geprägten Außenbezirke sollte man sehr schnell hinter sich lassen und sich stattdessen auf die Altstadt und den wunderschönen Stadtpark konzentrieren (Bildergalerie). Es ist schwer zu beschreiben, aber es hat sich fast eine ähnliche Stimmung wie in Breslau eingestellt. Eine luftige Stadt mit einer Mischung aus Historie und Moderne in Europa - merkwürdig, dass Polen immer noch mit solchen Vorbehalten behaftet ist. Reisen würde weiterhelfen...

    Tarpanpferde
    Selbstverständlich durfte der größte See Masurens - der Jezioro Sniardwy - in diesem Urlaub nicht fehlen (Bildergalerie). Zunächst sollte es in den kleinen Ort Popielno gehen - wo es eine zoologische Forschungsstation gibt, in der unter anderem Biber aufgepäppelt werden. Leider haben sich diese ziemlich versteckt, auch das zugehörige Museum war geschlossen, weswegen wir uns mit dem Anblick von hier ebenfalls ansässigen Tarpanpferden - wohl eine der letzten Wildpferderassen Europas - begnügen mussten. Das Gebiet ist weiträumig eingezäunt, man kommt per Auto nur über eine Art Viehsperre rein. Dort wird auch groß vor "gefährlichen Pferden" gewarnt - wir wurden zum Glück nicht angegriffen. ;-)

    Gizycko
    Den Abend verbrachten wir in Gizycko - deutsch Lötzen - bei einem gepflegten Abendessen am Ufer des Sees und danach beim Sonnenuntergang auf einer Überführung 10 Meter über dem Strand (Bildergalerie). Traumhaft schön, leider kann ich nicht segeln. Die Ecke hier scheint ein wahres Mekka für diesen Sport zu sein. Speziell bei diesem Kaiserwetter muss man sich auf dem Wasser hier wie im Himmel fühlen...

    Frombork
    So eine Woche ist leider viel zu kurz - so ging es auch schon wieder nach Hause. Da das Wetter im Gegensatz zu Berlin noch perfekt war - Sonne und 23 Grad - haben wir uns noch einen Umweg über Frombork - deutsch Frauenburg - gegönnt (Bildergalerie). Die Stadt war eigentlich nur eine Notlösung, da ein Umweg über die Frische Nehrung doch zu weit gewesen wäre. Frombork war einfach der nächstgelegene Ort an der Ostsee, genauer am Frischen Haff. Nachdem das mit Blick auf die Straßenkarte geklärt war, war ich mit einem Blick in den Reiseführer sehr überrascht. Hier steht ein durchaus imposanter Dom - dazu scheint der Ort überregional bekannt zu sein, weil Nikolaus Kopernikus von hier aus viele Jahre gewirkt hat. Mangels Zeit haben wir den Dom nur kurz in Augenschein genommen und sind stattdessen direkt an den Strand gelaufen. Hier hat allerdings wegen der frischen Wassertemperaturen nur der Hund ein kurzes Bad genommen - und ist dabei Wellen hinterhergejagt. Uns genügten die letzten Blicke auf das Haff und die Nehrung bevor wir endgültigen den Weg zurück nach Berlin angetreten haben.

    Mit diesen Eindrücken ist der Sommer zwar urlaubstechnisch und auch kalendarisch vorbei, allerdings scheint er sich angesichts des heutigen Wetters noch nicht ganz geschlagen zu geben. Vielleicht kommen ja noch ein paar sommerliche Eindrücke dazu, wir werden sehen. Sei es drum, irgendwann muss man mal zusammenfassen und so kann ich nur sagen, dass der Sommer top war! Speziell die Nachbarn in Polen werden wir nicht das letzte Mal besucht haben. Hier gibt es noch sehr viel mehr zu entdecken...

    Kurzausflug nach Hamburg

       

      Ganz anders als am Wochenende zuvor war uns das Wetterglück am vergangenen Sonntag mehr als hold. Es gab strahlenden Sonnenschein und auf dem Schreibtisch wartete noch pro Person eine äußerst günstige Hin- und Rückfahrkarte der Bahn auf seine Verwendung, die noch vor Ostern aufgebraucht sein musste. So entschieden wir uns kurzfristig, einen Tagesausflug nach Hamburg zu machen - dank Transrapid, Pardon, einer schnellen ICE-Verbindung ist man ja mittlerweile in gut zwei Stunden von Berlin aus in der Hansestadt.

      Hamburg
      Sehenswürdigkeiten standen deswegen dieses Mal überhaupt nicht auf der Agenda. Wir haben uns einfach von der Bahn in Altona absetzen lassen und sind vom Fischmarkt aus an der Elbe Richtung Westen gelaufen. Vom Fischmarkt selbst war um diese Uhrzeit - wir waren kurz vor Mittag da - nicht mehr viel zu sehen. Nur die Aufräumarbeiten waren in vollem Gange, große Müllschlucker wurden tatkräftig befüllt, der Boden wurde von den Überresten des morgendlichen Treibens gesäubert. Ich schätze, nur wenig später dürfte wieder alles blitzeblank gewesen sein - eine schöne Abwechslung zu Berlin, wo Müll auf den Straßen ja quasi zum Image gehört. :-D Spaß beiseite, wir hielten uns nicht lange damit auf. Bei prallem Sonnenschein und prächtiger Kulisse genossen wir den Ausblick auf das Wasser und die Hafenanlagen.

      Hamburg
      Theoretisch hätten wir bis Blankenese laufen können, doch irgendwann wurden die Versuchungen am Sandstrand zu groß. Wir ließen uns bei einem leckeren Getränk und einer Waffel nieder und genossen im Sitzen die Aussicht. Eine weitere Wanderung reizte uns nicht besonders, weswegen wir per S-Bahn in Richtung Alstersee aufbrachen. Von dort ging es dann durch den großen Stadtpark Planten un Blomen in Richtung Sternschanze. In diesem Stadtteil angekommen hätte ich fast wetten können, dass wir direkt wieder nach Hause gebeamt wurden - so ähnlich sind sich dieser Stadtteil und der heimische Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zumindest vom äußeren Eindruck her.

      Sandstrand in Hamburg
      Kurz vor dem Abendessen und der anschließenden Rückfahrt bot sich allerdings noch die Gelegenheit, die "Rote Flora", das landesweit bekannte Gebäude der linksautonomen Szene, zumindest von außen zu bewundern. Im Gegensatz zu den bekannten Bildern, die man unter anderem auf dem verlinkten Wikipedia-Artikel findet, sieht das Haus mittlerweile richtig schmuck aus. Kompliment, das gefällt mir ehrlich gesagt deutlich besser als der morbide Charme, der wohl zuvor charakteristisch für die Rote Flora war.

      Rote Flora Hamburg
      Ein nicht ganz kompletter Tag ist natürlich bei Weitem nicht ausreichend, Hamburg wirklich genüge zu tun, zu viel gäbe es zu entdecken. Allerdings hat die Zeit ein wenig mehr Appetit auf die Stadt gemacht. Beim nächsten Sparangebot der Bahn kann man auf jeden Fall mal wieder vorbeischauen...

      Ein Wochenende auf Langeoog

         

        Zwei Wochen vergehen verdammt schnell - die Arbeit, aber auch sonstige Ablenkungen verhindern, dass man zeitnah seine Bilder bearbeiten und diese mit einem schmucken Beitrag auf die Seite hochladen kann. Um dem Alltagsstress ein wenig zu entgehen, ging es also vor grob 14 Tagen für ein verlängertes Wochenende auf die zur Winterzeit doch recht einsame Nordseeinsel Langeoog. Die Entschleunigung beginnt dabei bereits vor der Überfahrt - man muss nämlich sein Auto auf einem der riesigen Parkplätze am Anlieger in Bensersiel zurücklassen, da auf der Insel nur mit Sondererlaubnis herkömmliche Fahrzeuge erlaubt und sonst nur kleinere Elektromobile unterwegs sind. Leider war das Wetter am Tag der Überfahrt mehr als bescheiden, weswegen wir uns schon auf die Annehmlichkeiten im Bio-Hotel Strandeck gefreut haben, falls es für einen Spaziergang am Strand bzw. einen kleinen Ausflug auf dem Fahrrad zu stürmisch oder zu regnerisch wäre.

        Langeoog
        Nach einer erholsamen Nacht und einem hervorragenden Frühstück mussten wir leider wirklich feststellen, dass sich das Wetter nicht gebessert hatte - im Gegenteil. Ein ordentlicher Sturm kombiniert mit Nieselregen begrüßte uns auf unseren ersten Schritten ins Freie. Trotzdem ging es auf einen ausgedehnten Strandspaziergang - die Klamotten hielten zum Glück auch gut zwei Stunden, in denen wir den Blick auf die Nordsee genossen und dabei durch den nassen Sandstrand stapften. Je später der Nachmittag wurde, desto ungemütlicher wurde es allerdings. Wir waren in Sachen Ausrüstung dann doch nicht auf solche Verhältnisse vorbereitet und haben uns wieder ins Hotel zurückgezogen.

        Langeoog
        Der nächste Tag versprach hier schon deutlich besser zu werden - zumindest am Nachmittag. So wurden spät morgens ein paar Fahrräder gemietet, um damit ans Ostende der Insel zu fahren. Die sich dort befindende Beobachtungsplattform versprach einen Ausblick auf Seehunde, Vögel und die unberührte Landschaft. Dank eines ordentlichen Rückenwinds waren die etwas mehr als 10 Kilometer ohne größere Anstrengung schnell zurückgelegt. Die dortigen Sandbänke waren von Hunderten Seevögeln äußerst gut besucht, leider ließen sich Seehunde nur über das fest installierte Fernglas aus der Ferne beobachten - allerdings waren diese selbst im Ausguck nur als kleine Flecken auf dem Sand zu erkennen, es könnte sich also durchaus auch um was ganz Anderes gehandelt haben...

        Ganz sicher waren wir nur bei den beiden Seehunden, die wir tot am Strand entdeckt haben. Wir wollten das eigentlich direkt melden, allerdings war die Seehundstation in Norddeich nach eigener Auskunft nicht zuständig und auf der Gemeindeverwaltung Langeoog niemand zu erreichen. Nun gut, wollen wir hoffen, dass es bei den beiden blieb und die Grippe nicht mehr zurückgekommen ist, der Ende 2015 sehr viele Tiere zum Opfer gefallen sind. Allerdings scheint es zumindest den Kegelrobben auf Helgoland gut zu gehen...

        Sanddorn
        Als überaus gute Investition erwiesen sich die erst kürzlich erworbenen Gummistiefel, die sich auch für kurze Wanderausflüge eignen. So konnten mich auch überflutete Wege nicht von kurzen Ausflügen abhalten. Zwischendurch war ich mir angesichts der Verhältnisse recht unsicher, ob ich nicht vielleicht vom Weg abgekommen bin - das sollte man im Naturschutzgebiet bzw. Nationalpark tunlichst vermeiden. Allerdings bestärkten mich kleine Befestigungen und sogar ein "Zum Strand"-Schild, was im knöcheltiefen Wasser die Richtung anzeigte, darin, weiterzugehen. Weiter versüßt wurde die Tour dabei durch die Abwechslung am Wegesrand. Denn je weiter es auf diesem Fußweg in Richtung Norden ging, desto mehr orangefarbene Sprenkel waren in den Büschen zu erkennen. Hier war es wohl für Mensch und Tier zu beschwerlich, auch noch die letzten Sanddorn-Früchte zu ernten - oder sie waren einfach nicht rechtzeitig oder vollständig reif.

        Langeoog
        Als das Meer in Sichtweite kam, war wieder Umkehr angesagt. Angesichts des Sturms wurde mir eben doch ein wenig mulmig - zudem war der Sand äußerst locker. Wir wurden bereits beim Einchecken darauf hingewiesen, dass der Strand streckenweise lebensgefährlich sein kann - zwar nicht explizit an dieser Stelle, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. So ging es also wieder zurück zu den Fahrrädern und auf denen dann bei strengem Gegenwind zurück ins Dorf. Dieser nötigte uns zu mehreren Verschnaufpausen - zum Glück mit diversen Attraktionen wie einem stolzen Fasan und einigen Pferden am Wegesrand.

        Fasan
        Tags darauf hieß es dann schon wieder Koffer packen. Mit wieder aufgeladenen Akkus für die kommenden arbeitsreichen Wochen und Monate ging es also wieder zurück aufs Festland. Die Insel werden wir in sehr guter Erinnerung behalten, was nicht zuletzt am hervorragenden Hotel und dem leckeren Essen lag. Die einschlägigen Touridestinationen an der Nordsee sind auch im Winter eine Reise wert - auch wenn man noch nicht im Seniorenalter ist. ;-) Nur empfehle ich als Versicherung gegen schlechtes Wetter eine Unterkunft mit Pool und Sauna - speziell letztere ist eine echte Wohltat, wenn man ausgekühlt und durchnässt von einer Tour zurückkommt.

        Kein Ungeheuer von Loch Ness

           

          Es hat zugegeben schon eine leicht skurrile Seite, wenn man Anfang Februar vor dem Rechner sitzt und den Urlaub vom vergangenen Juni nochmal Revue passieren lässt - vor allem wenn man das in Form von Blogbeiträgen auf meiner nur sehr spärlich besuchten Seite tut. Nun, ich würde es mal leicht pathetisch "Chronistenpflicht" nennen, die mich dazu nötigt, auch noch die letzten Bilder und Erfahrungen zu teilen...

          Urquhart Castle
          Von Inverness ist es bekanntlich nicht wirklich weit zu einem der bekanntesten Touristenfallen Schottlands - ich spreche von Loch Ness. Am See ist für sich gesehen nichts Besonderes - einzig und allein das Marketing rund um das berühmte Ungeheuer sorgt hier für den stets neuen Zustrom an Besuchern. Speziell, wenn man nach Drumnadrochit hineinfährt, ist der Nepp rund um "Nessie" nicht mehr zu übersehen. Überall die passenden Souvenirläden, jede Menge Hotels und B&Bs, welche mit dem Seeungeheuer werben und zu allem Überfluss scheint es auch noch einen Freizeitpark namens "Nessieland" zu geben, damit die Kleinen der Familie auch passend bespaßt werden können. Wir haben diese Ecken gleich komplett gemieden und stattdessen einen kurzen Abstecher zum Urquhart Castle gemacht. Wegen der doch recht üppigen Eintrittspreise und der Aussicht, nicht mehr als ein paar Ruinen besichtigen zu können, war aber unser Aufenthalt in der Ecke auch hier nicht wirklich von langer Dauer.

          In der Nähe von Kinlochewe
          Obwohl sich der Urlaub langsam aber sicher dem Ende zuneigte und wir eigentlich relativ zügig gen Süden fahren mussten, haben wir uns den einen oder anderen Abstecher und Umweg nicht nehmen lassen. Zum einen haben wir uns durch die Bio-Brauerei Black Isle Brewery in der Nähe von Inverness führen lassen und waren so begeistert, dass wir uns gleich einen Halbjahresvorrat an Bio-Bier gekauft und in den Kofferraum gepackt haben. Zugegeben, wir sind nicht so die großen Biertrinker, weswegen es hierfür nicht mehr als zwei kleine Kartons gebraucht hat... Allerdings können wir es uns deswegen sogar heute noch ab und zu mit einem der leckeren Bierchen aus der Ecke gut gehen lassen - mit dem ganz unbescheidenen Motto der Brauerei "Save the planet - drink organic!" ;-)

          Loch Torridon
          Dann ging es ein letztes Mal über die schottischen Highlands in einem großen Bogen in Richtung Glasgow, wo wir viel zu spät in der Nacht in der feudalen Jugendherberge ankamen. Da wir am nächsten Morgen rechtzeitig in Richtung Fähre aufbrechen wollten, um ein Fiasko wie auf der Hinfahrt zu vermeiden, gibt es leider auch aus Glasgow keine visuellen Eindrücke. Stattdessen hier noch ein paar Schnappschüsse aus den Highlands. Bis zum nächsten Mal!

          Vor Außerirdischen wird gewarnt

             

            Weiter ging es durch die unendliche Weite des Nordens der britischen Hauptinsel. Bekanntlich ging es in Durness nicht mehr wirklich weiter nordwärts - wenn man sich denn keine nassen Füße oder Schlimmeres holen wollte - weswegen die Landstraße in Richtung Westen an der Nordküste entlang die naheliegende Wahl war. Auf dem Weg nach Thurso ging es durch teil sehr karge, aber auch sehr idyllische Landschaften. Auch hier finden sich - wenn auch nicht in der Größe wie zuvor an der Westküste - sehr schmucke Sandstrände, die zum Baden einladen würden - wenn man denn einen Neoprenanzug sein Eigen nennt oder einfach kein Problem mit niedrigen Wasser- und Lufttemperaturen hat.

            Warnung vor Außerirdischen
            Irgendwann fährt man auf der Straße an einem wohl recht einzigartigen Verkehrsschild vorbei. Hier wird offensichtlich vor Außerirdischen auf ihrem Sonntagsspeziergang gewarnt. Zu einer vorsichtigen Fahrweise sind die vorbeifahrenden Kraftfahrzeugnutzer also angehalten. Ob die Anwesenheit dieser Gestalten etwas mit dem sich mittlerweile im Rückbau befindlichen Kernkraftwerk Dounreay zu tun hat, oder ob diese dort vielleicht sogar ihre Brötchen verdienen, bliebt allerdings bis auf Weiteres ungeklärt. ;-)

            Klippen vor Dunnet Head
            Nicht entgehen lassen wollten wir uns den nördlichsten Zipfel der Insel - den Leuchtturm auf Dunnet Head. So richtig einladend war die Ecke an dem Tag im Juni leider nicht - ein mittelgroßer Sturm peitschte den Regen von der Seite auf das Auto und nach dem Aussteigen dann auch auf uns. So ging es bloß auf einen kurzen Spaziergang am Leuchtturm vorbei zum Aussichtspunkt, von dem man einen sehr guten Blick auf die Klippen hatte, die von der Halbinsel ins Meer hinabragen. Wegen des lieben Wetters sehnten wir uns aber schon bald nach einer etwas wärmeren Aufenthaltsgelegenheit. So fuhren wir zurück in das kleine Dorf Brough, wo wir in einem kleinen B&B einen Kaffee-und-Kuchen-Stopp einlegten. Interessantes Detail: An der Bucht des Örtchens gab es eine Menge Seehunde zu bewundern. Leider hatte ich meine Kamera im Auto gelassen, weswegen es von den scheuen Tierchen ausnahmsweise mal keine Fotos gibt...

            Farbenspiel
            In Thurso selbst gab es dann nur noch einen kurzen weiteren Aufenthalt zum Auftanken des Autos und natürlich auch der eigenen Batterien. Der Weg nach Inverness war nämlich noch weit. Allerdings war der Weg dorthin wunderschön und nötigte uns angesichts der fabelhaften Landschaft noch zum einen oder anderen Zwischenstopp...